Krähengekrächz –alle Texte

Vollgefüllt bis an den Rand

Vollgefüllt bis an den Rand
Schreien die Menschen
Hunger Hunger
Ich will mehr
Es ist mein gutes Recht
Ich will Kaffee
Jetzt
Kein Käse mehr da?
Alles weggefressen
Maus Ratte
Nein
Es macht mich traurig.

 

Schimmerndes Licht

Schimmerndes Licht
Noch sehe ich es in dir
Einen Abglanz des Glanzes
Der wie Sterne
In deinen Augen
Leuchtete
Zauber
Verzaubernd
Noch habe ich den Mut
Zu suchen
Ob da noch mehr ist
Von jenem inneren Feuer
Das mich begeisterte
Begeistern würde
Wenn ich mich an deiner Flamme
Wärmen dürfte
Wenn du mich
Teilhaben lassen würdest
An deiner Schwere
Die dein Licht verdunkelt.

Nachklang

Leiser Nachklang des Sommers
Sanftes Flüstern des Herbstes
Der kommen will
Im Süden schon große
Wolkenmassen türmt
Regen
Reißen
Zerstörung
Ankündigt
Kommen will mit Macht
Zu mir
Die so gutgläubig und
Träumend.

Die Ado Gardine

Wolltet ihr nicht frei sein
Und wild
Und selbstbestimmt leben
Marianne, Petra, Hella
Wart ihr zufrieden mit Ado Gardine
Und Jacobs Kaffee
Mit welchem Vorbild wäre ich gerne
Frau geworden?
Die Männer: Kegeln, Schnäpse, Rauch
Fremdgehen
Das auch
Ihr habt das alles so hingenommen
Ich könnte kotzen.

Heute will ich

Heute will ich
Freundlich sein
Mein Herz verschenken
Aufmerksam und mitfühlend
Lauschen
Ich möchte Gesehen werden
Gehört und 
Geliebt
Ich möchte die Nebel durchdringen
Die verbergen
Dass wir einander in Liebe
Zugewandt sind
Es ist schwer
Es ist leicht.

Wolke wie ein Drache

Wolke wie ein Drache
Ein Kamel
Am Wüstenwolkenhimmel
Wandelt sich
Von Moment zu Moment
Ich bin Wolke
Bin Drache
Bin Wüste und Himmel
Bin Berg und Fluss
Ich bleibe und ich gehe
Und mein Gestern
War gestern
Und mein Heute
Ist heut.

Innere Not

Was hat dich so verletzlich 
Gemacht
Deine innere Not ist unermesslich
Tiefe Spuren verborgen im Innen
Löcher durchreißen die Oberfläche
Du versuchst dich zu schützen
Es reicht nicht für alles.

Entfaltung

Ein Tag hat Spuren hinterlassen
Eine Nacht Falten gegraben
Ein Morgen sehnt sich nach Entfaltung
Ein Mittag sagt: Flieg
Weite
Himmel
Alles deins.

Krähenloses Tal

Krähenloses Tal
Wolken hängen tief
Verhüllen den Sommer
Der eben noch da war
Schweres Herz
Wach und suchend
Dünnhäutig und fühlend
Traurig
Und hoffnungsvoll
Dass im Wandel
Etwas Heiteres
Leichtes sein wird
Verbunden mit der Natur
Und allem Sein.

Sommer

Sommer
Bleib noch ein bisschen
Ich möchte 
Deine milde Luft atmen
In einem Fluss baden
Und in all deiner Fülle
Auf einen Berg steigen
Den Sternenhimmel lieben
An jedem klaren Morgen.

Demenz

Eines morgens
Als ich wach wurde
Fehlten mir die Worte
Irgendwo waren sie
Aber ich konnte sie nicht finden
Nicht fangen mit meinem Netz der Sprache 
Ich schaute ins Leere
Und die Menschen schauten zurück
Ich lächelte.

Verletzlich

Hast du vergessen
Wie verletzlich ich bin
Immer stark
Meist fröhlich
Glaubst du, ich brauche es nicht
Gesehen zu werden
Trampelst über mein Schaffen hinweg
Es tut weh.

Deine Zeit ist jetzt

Geh
Deine Zeit ist jetzt
Ich warte nicht mehr
Ich bitte dich: Geh
Es war schön mit dir
Bewegt
Voller Freude
Nichts stimmt mehr
Was noch an mir klebt
Möchte ich lösen
Ich geh.

Lebendiger Traum

Lebendiger Traum
Land hoch in den Bergen
Alte Mauern Steine Staub
Schönheit der Frauen.

Kratzer auf der Haut

Wind weht meinen Schmerz davon
Regen reinigt mein Herz
Spuren wie Kratzer auf der Haut
Damit ich meine Fehler nicht vergesse
Bleibst du eintätowiert
Eingeprägt
Erinnerung an
Zarte Verbundenheit.

Gedanken fliegt

Gedanken fliegt
Empfindungen tanzt
Den bunten Reigen
Des Lebens.

Krähenmorgen

Krähenmorgen:
Du hast mich nicht verstanden
Mit dem Herzen lauschen
Das ist esoterisches Blah-Blah
Krah-Krah.

Ich verstehe die Botschaft

Ich verstehe die Botschaft der Krähe nicht
Kündet sie von Alter, Krankheit, Tod?
Ich lausche
Lausche mit offenem Herzen
Krähe krächzt: Krah.

Am Abend fragt das Leben

 

Am Abend fragt das Leben:
Bist du einverstanden mit dir und deinem Erleben
Kannst den Tag freundlich verklingen lassen
Hineingleiten in die Stille der Sternenglänzenden Nacht
Im Traum deine Suche nach Selbst und Wahrheit fortsetzen
Da wo Leben und Vision sich begegnen
Die Eule ruft
Am Bachlauf und im Wald
Wo auf dem Berg der Schnee schimmert
Und weit hinter den Bergen
Da wo das Blau der Nacht wieder zu Licht wird
Sich die Weite öffnet
Die alles umfasst
All jene Möglichkeiten
Die du noch nicht gelebt hast
Noch nicht gedacht
Noch nicht geschaffen
In jedem Moment
Den du atmest
Kannst du Altes zurücklassen
Krusten abstreifen und die geweinten Tränen
Die verzweifelten Zweifel wertschätzen und verabschieden
Und sein.
Einfach sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ulla Mischler, 23.4.2025