Amsel
Mots de la Merle
Ich bin Frühaufsteherin. Amseln auch. Sie beginnen ihren Gesang 45 Minuten vor Sonnenaufgang.
Amsellieder berühren mich in der Tiefe meines Seins.
© Ulla Mischler
Krähengekrächz
Krähen sind später dran. Meist bin ich, wenn die Krähen ihren Tag beginnen, schon mit dem Fahrrad unterwegs und ich stelle mir vor, die krächzenden Krähen erzählen mir, wie der Tag zu gestalten sei.
Krähengekrächz sind lyrische Morgengedanken.
© Ulla Mischler
© Ulla Mischler
Krähe
Kairos
Kairos
War da was
Gerade eben
Streifte mich deine Locke
Wie ein Gedanke
Ein leises Rauschen nur
Dein Flügelschlag
Der Moment schon
Wieder vorbei.
Lausche
Rede
Sag
Wie dir zumute ist
Schweig nicht
Schweig
Rede nicht
Sondern lausche
Hin zu dir.
Räudig
Versehrter Fuchs
Alt schon
Räudig
Es ist nicht die feine Duft Spur
An der ich deinen
Weg erkennen kann
Du stinkst.
Fuchs
Fuchs
Komm zurück zu mir
Spring über meinen Gartenzaun
Ein Huhn
Hab ich nicht
Ein Stück Käse
Muss reichen.
Selbstoptimierung
Die Menschen wollen doch
Nicht mehr als Bestätigung
Daumen hoch
Alles richtig gemacht
Selbstoptimierung geglückt
Ich sage:
Oh wie schön
Oh wie interessant
Wenige wollen mehr.
Heute will ich
Heute will ich
Freundlich sein
Mein Herz verschenken
Aufmerksam und mitfühlend
Lauschen
Ich möchte Gesehen werden
Gehört und
Geliebt
Ich möchte die Nebel durchdringen
Die verbergen
Dass wir einander in Liebe
Zugewandt sind
Es ist schwer
Es ist leicht.
Wolke wie ein Drache
Wolke wie ein Drache
Ein Kamel
Am Wüstenwolkenhimmel
Wandelt sich
Von Moment zu Moment
Ich bin Wolke
Bin Drache
Bin Wüste und Himmel
Bin Berg und Fluss
Ich bleibe und ich gehe
Und mein Gestern
War gestern
Und mein Heute
Ist heut.
Innere Not
Was hat dich so verletzlich
Gemacht
Deine innere Not ist unermesslich
Tiefe Spuren verborgen im Innen
Löcher durchreißen die Oberfläche
Du versuchst dich zu schützen
Es reicht nicht für alles.
Entfaltung
Ein Tag hat Spuren hinterlassen
Eine Nacht Falten gegraben
Ein Morgen sehnt sich nach Entfaltung
Ein Mittag sagt: Flieg
Weite
Himmel
Alles deins.
Krähenloses Tal
Krähenloses Tal
Wolken hängen tief
Verhüllen den Sommer
Der eben noch da war
Schweres Herz
Wach und suchend
Dünnhäutig und fühlend
Traurig
Und hoffnungsvoll
Dass im Wandel
Etwas Heiteres
Leichtes sein wird
Verbunden mit der Natur
Und allem Sein.
Sommer
Sommer
Bleib noch ein bisschen
Ich möchte
Deine milde Luft atmen
In einem Fluss baden
Und in all deiner Fülle
Auf einen Berg steigen
Den Sternenhimmel lieben
An jedem klaren Morgen.
Demenz
Eines morgens
Als ich wach wurde
Fehlten mir die Worte
Irgendwo waren sie
Aber ich konnte sie nicht finden
Nicht fangen mit meinem Netz der Sprache
Ich schaute ins Leere
Und die Menschen schauten zurück
Ich lächelte.
Verletzlich
Hast du vergessen
Wie verletzlich ich bin
Immer stark
Meist fröhlich
Glaubst du, ich brauche es nicht
Gesehen zu werden
Trampelst über mein Schaffen hinweg
Es tut weh.
Vögel rufen mich
In rosa Farbe steigt der Tag aus dem Dunkel.
Vögel rufen mich.
Deine Zeit ist jetzt
Geh
Deine Zeit ist jetzt
Ich warte nicht mehr
Ich bitte dich: Geh
Es war schön mit dir
Bewegt
Voller Freude
Nichts stimmt mehr
Was noch an mir klebt
Möchte ich lösen
Ich geh.
© Ulla Mischler
© Ulla Mischler
© Ulla Mischler