Amsel

Mots de la Merle

Ich bin Frühaufsteherin. Amseln auch. Sie beginnen ihren Gesang 45 Minuten vor Sonnenaufgang.
Amsellieder berühren mich in der Tiefe meines Seins.

© Ulla Mischler

Krähengekrächz

Krähen sind später dran. Meist bin ich, wenn die Krähen ihren Tag beginnen, schon mit dem Fahrrad unterwegs und ich stelle mir vor, die krächzenden Krähen erzählen mir, wie der Tag zu gestalten sei.
Krähengekrächz sind lyrische Morgengedanken.

© Ulla Mischler

© Ulla Mischler

Krähe

Die Welt

Sex
Macht
Geld
Das ist die Welt
Korruption
Drogen
Mord
Gefangen im
Netz
Fake
KI
KO
Arme Welt.

 

Maus

Ich hör
Nagen
Sägen
Das ist die Maus
Sägt ein
Großes Loch
Ins Haus
Steckt die
Freche Nase
Rein
Hallo
Wolln wir
Freunde
Sein
Maus
Flitzt
Ums Eck
Müll ist Dreck
Katzenkacke Kacke
Oh Käse
Lecker
Mausefalle
Aus die Maus.

Krokodil im Nil

Krokodil
Schwimmt im Nil
Will nicht viel
Ein Menschenbein
Für mich allein
Würd schon reichen
Denkt das Krokodil
Im Nil
Will nicht viel
Ein Fisch
Wär frisch und lecker
Ich schwimm mal schnell
Zum Bäcker
Ein Fisch-Brötchen
Wär fein
Besser gar als
Menschenbein.

 

 

Feuerpferd

Lautes Schlagen der
Hufe
Wiehern und Schnauben der
Pferde
Rufen der
Reiter
Es ist schon da
Das Jahr des
Feuerpferdes
Wild
Ungestüm
Kraftvoll
Mach die Tür auf
Lass dein Pferd
Herein.

Stinkender Pelz

Aus der Höhle gekrochen
Steif und stinkend
Den Pelz in der Sonne
Geschüttelt
Gegähnt
Geschnuppert
Gepinkelt
Gefreut.

Schwarzer Schwan

Schwärze
Absorbiertes Licht
Schwärzestes Schwarz
Schwarzer Schwan
Nie bleibt es nur
Schwarz.

 

Traurigkeit

Die Nacht
Hat Trurigkeit
Zurückgelassen
Die tief
Im Dunkeln wurzelt
Dem anderen Dunkel
Der Vergangenheit
Spuren gibt es
Hinweise
Wegweiser nicht
Im Werdenden Licht
Des Tages
War nichts
Oder doch?

 

Bär

        Ich möchte Bär sein
        Durch Wälder streifen
        Geäst knackt
        In einer Pfütze
        Spiegelt sich der Mond.

 

Die Tür zum Unendlichen

Zwischen Dunkel und Hell
Zwischen Ausatem und Einatem
Ist die kleine Tür
Zum Unendlichen
Sei leise
Behutsam
Sei mutig
Mit der Grösse zu
Sein
Zwichen Hell und Dunkel
Zwischen Einatem und 
Ausatem
Ist die kleine Tür zum Unendlichen.

Herbst

Wind
Müht sich
Mit seiner Geschichte
Heult auf
Klopft ans Haus
Schreit
Der Herbst ist wichtig
Widme dich
Dem Wandel
Wills nicht hören
Nicht heute.

Mond und Stern

Mond ist das Tal
Hinuntergezogen
Hat ein Stück seines
Selbst zurückgelassen
Stern wandert um die Venus
Oder tanzt er
Rennt und hüpft?
Die Dimensionen
Nicht vorstellbar.

Weite

Mögest du die Weite
deines eigenen
Himmels wahrnehmen.

Nebel

Nebel
Mein Herz
Wirst du 
Deinen Weg
Finden?

 

Durch die Nacht

Wer hat mit dir das Bett geteilt
War es ein Traum
Bist du mit einem Engel
Durch die Nacht geflogen
War Gottes Segen nah bei dir?

© Ulla Mischler

© Ulla Mischler

Kraehengekraechz_4

© Ulla Mischler